Der Fall Magnitz und wie ich fast eine Kurzgeschichte schrieb

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Der Anlass für diesen Blogpost liegt eigentlich schon über ein Jahr in der Vergangenheit. Es geht um den Fall Magnitz, dem Bundestagsabgeordneten der Bremer AFD – den meisten vermutlich eher unter dem Stichwort “Kantholz” ein Begriff. Mich hat der ganze Vorfall damals sehr beschäftigt.

Anfangs, weil mich das wirklich zutiefst schockiert hat. Die AFD war ja schnell dabei, noch aus dem Krankenhaus heraus blutverschmierte Fotos in die sozialen Medien zu blasen. Das war als Propaganda leicht zu erkennen, dennoch lag dort ein Mensch, der dem äußeren Anschein nach fast totgeschlagen wurde. Es ist ein Zeichen von Zivilisiertheit, dass Politik ohne Gewalt auskommt – auskommen kann, auskommen muss! Egal, wie zuwider mir dieser Mann, seine Ansichten und seine politische Strömung auch ist: Gewalt entmenschlicht und wo Entmenschlichung beginnt, wird es ganz schnell ganz widerlich. Da ist das Motiv egal – philosophische Debatten über den Tyrannenmord mal außen vor. Magnitz ist kein Tyrann. Politisch gesehen ist er eher ein Gartenzwerg.

Beschäftigt hat mich aber auch die Skrupellosigkeit und Professionalität, mit der die AFD blitzschnell Kapital aus dem Vorfall hat schlagen wollen. Auch da wurde die Würde eines Menschen angekratzt, weil es gerade in die eigene “Kommunikationsstrategie” passte. Die Wunde war noch nicht genäht, da wurde Magnitz schon benutzt, um den Spin der Spaltung und Radikalisierung weiter zu drehen und die eigene Opferrolle zu feiern.

Dass sich die Darstellung der Bremer AFD am Ende zunehmend in Widersprüche verstrickte, dass vom berühmten Kantholz und den Tritten gegen den Kopf am Ende “nur” ein Schlag an und ein unglücklicher Sturz überblieben, runden diese ganze Schmierenkampagne irgendwie passend ab. Schlimm, was passiert ist, schlimmer aber, was daraus versucht wurde zu machen. Was sagt das über eine Partei aus? Was sagt das über die Medien aus, die darauf aufspringen? Was sagt das über den Zustand einer Demokratie aus? Und ich will gar nicht wissen, für wie viele Menschen bis heute dieses Kantholz eine Wahrheit geblieben ist.

Der Fall Magnitz als Blaupause für meine Kurzgeschichte

Jedenfalls – und jetzt komme ich zu dem eigentlichen Anlass dieses Blogposts: Ich hab damals versucht, aus diesem ganzen Vorfall eine Art Kurzgeschichte/Novelle zu schreiben. Den Vorfall habe ich nach Hamburg-Wilhelmsburg verlegt, aus Magnitz habe ich einen normalen, linksliberalen Otto gemacht, der im falschen Moment den Ritter gespielt hat und – ehe er so richtig begriff – schon zum One-Hit-Wonder rechter Filterblasen geworden ist.

Irgendwo in der Mitte hab ich dann etwas den Schwung und auch die Lust verloren. Seitdem liegt das Dokument hier unbearbeitet auf meinen Desktop. Irgendwie bring ich es nicht übers Herz, den Text in den “2019”-Ordner zu verschieben und abzuhaken. Warum also nicht hier im Blog veröffentlichen? Vielleicht macht sich ja jemand die Mühe, mit fremden und frischen Blick darauf zu schauen, mir meine Worte um die Ohren zu hauen oder mich gar zu motivieren, die ganze Geschichte noch einmal anzufassen?

Und falls nicht: Auch nicht schlimm. Dann habe ich das abschließen können und kann den Text endlich den “2019”-Ordner schieben.

Die Ausdrucksweise, kleine Triggerwarnung, ist teils deftig. Das gehört an dieser Stelle dazu, auch wenn ich das Gefühl habe, nicht authentisch den Ton rechter Filterblasen getroffen zu haben, was ich als gutes Zeichen werte. Wer das nicht lesen mag, sollte das aber auch nicht tun. Für alle anderen, hier geht’s zur PDF:

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Thomas

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Von Thomas

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