Was von Donald Trump bleibt

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Was war das für ein Nervenkitzel! Aber nun ist der Mann hoffentlich politisch gesehen Geschichte: Donald Trump wurde abgewählt – was bleibt ist eine gespaltene Nation und eine republikanische Partei, die von faschistoiden Ideen durchzogen ist. Es geht um Macht.

Ja, faschistoid. Denn genau das sind die Wesenszüge, die den Trumpismus auszeichnen. Da wäre der Personenkult, der sich in den letzten vier, fünf Jahren um den abgewählten Präsidenten entwickelt hat. Sein Charisma, der Nimbus des Außenseiters und des erfolgreichen Geschäftsmannes. Des Typen, der kein Blatt vor den Mund nimmt, der liefert. Der strahlende Narzisst, dem seine Anhänger jubelnd folgen. Ja mehr noch: Teile der religiösen Rechten Amerikas erblödeten sich nicht einmal darin, in Trump einen Gesandten Gottes zu sehen, ein Zeichen, dass das jüngste Gericht näher rückt. Dieser Personenkult ist kein Zufall – er ist der Markenkern eines Mannes, der vermutlich selbst auf seiner vergoldeten Kloschüssel noch ein großes „TRUMP“-Logo eingraviert hat.

Wahrheit als taktisches Instrument

Mehr noch aber wiegt das Verhältnis zur Wahrheit, wenn es darum geht, Trump faschistoide Züge zu unterstellen. Wahrheit ist bei Trump keine objektive Größe. Wahrheit ist etwas, das er als diese definiert, zu einem bestimmten Zeitpunkt und ohne den Anspruch, dass diese Wahrheit auch morgen noch gilt. Wahrheit ist etwas Taktisches, ein Stempel, den man ganz nach Belieben auf Aussagen, Handlungen und schlicht Situationen aufdrücken kann.

Diese Art der Wahrheit wird konstruiert, um Gesellschaft zu lenken – dass ist ein Wesenskern des klassischen Faschismus. Sie dient überdies aber auch zur Sicherstellung und zum Beweis von Loyalität. Denn nur wer die Trump’sche Wahrheit ohne jeden Widerspruch bereit ist zu akzeptieren, der bleibt im inneren Zirkel der Macht. Die anderen werden als Nestbeschmutzer gefeuert. So ist es keine eitle Dummheit, wenn die Amtseinführung trotz offensichtlich leerer Ränge als die größte Amtseinführung aller Zeiten gefeiert wird. Und es ist für Trump wichtig zu sehen, wer aus den eigenen Reihen bereit ist, diese Lüge als Wahrheit zu verkünden und wer nicht. Das ist eine Herrschaftstechnik von Trump.

Populismus und Opferkult

Die Verdrehung der Wahrheit dient aber auch dem Zweck, die eigenen Leute zu mobilisieren. Trump ist ein Populist und Populismus kann ein Zeichen faschistoider Politik sein. Diese Zuspitzung der Gesellschaft in „Wir“ gegen „Die“, gegen die globalistischen Ost- und Westküsteneliten, dass hat Trump überhaupt erst ins Weiße Haus gebracht. Er wurde Brandbeschleuniger einer Spaltung, die schon lange vor ihm da war und die auch mit ihm nicht verschwinden wird. Und einer Form der Spaltung, die wir auch in den europäischen Gesellschaften beobachten können.

Trumps große Stärke war es, dass er diesen Menschen das Gefühl gegeben hat, wieder gesehen zu werden. Er hat in gewisser Weise Symbolpolitik betrieben, während er und seinesgleichen sich die Taschen vollgestopft haben (Steuerreform). Objektiv hat sich am Leben vieler Menschen der Weißen Unterschicht wenig geändert – aber sie hatten unter Trump zumindest das berauschende Gefühl, wieder wer zu sein. Sie, die so lange und so hart leiden mussten und müssen, sie haben denn arroganten Arschlöchern aus Kaliforniern mal richtig gezeigt!

Rassistische Traditionslinien

Einher geht dieser Populismus mit der Konstruktion eines Opferbildes. Wir, die weiße Mittelklasse Amerikas, wir werden ausgebeutet! Von der ganzen Welt, wegen unfairer Handelsabkommen – aber auch von den Menschen in unserem eigenen Land. Das Selbstverständnis als Opfer, dass ist hierbei entscheidend. Denn erst wenn man sich selber als Opfer begreift, wird Gewalt für Menschen, die über ein Minimum an Herzensbildung verfügen, legitim.

Ob man nun die Debatte über politische korrekte Sprache nimmt, die in Trump quasi ihren Antipoden gefunden hat, die „Shithole Countrys“ oder die Einreiseverbote für Menschen aus muslimischen Ländern – Trump hat immer wieder Rassisten adressiert. Und das sie keine Täter sind, weil sie einer rassistisch-mörderischen Ideologie anhängen, sondern das sie im Gegenteil Opfer einer Verschwörung sind, die sich im Kern gegen das weiße, gegen das „echte“ Amerika richtet. Dabei griff Trump auf eine Geschichte und eine rassistische Spaltung zurück, die älter ist, als die Verfassung der Vereinigten Staaten.

Autoritäre Republikaner

Womit wir bei dem Punkt wären, der nach Trump bleibt: Die republikanische Partei. Mit der Besetzung vieler wichtiger Richterposten durch Trump durch loyale Parteigenossen, gelang eine weitere Aushöhlung der amerikanischen Demokratie. Es ist eine republikanische Strategie, die Spielregeln der Demokratie zu den eigenen Gunsten zu ändern. Man zinkt die Karten – und das seit Jahrzehnten.

Es werden Wahlkreise so zugeschnitten, dass die Stimmen republikanischer Wähler ungleich mehr gewichtet sind. Es werden demokratische Wähler, zumal denen mit dunkler Hautfarbe, Steine in den Weg gelegt, um überhaupt wählen gehen zu können. Und das praktisch durchgehend seit dem Ende der Sklaverei – im 19. Jahrhundert sogar unter Federführung der demokratischen Partei in den Südstaaten.

Jede Generation muss die Demokratie neu erkämpfen

Das alles wird mit Trump nicht verschwinden, im Gegenteil: Hier steckt nach wie vor ein faschistoider Moment, der unter Trump sogar neue Dynamik gewonnen hat. Gestalten wie Mitch McConnel sind brandgefährlich und nur die Amerikanerinnen und Amerikaner selbst können verhindern, dass ihnen beim nächsten Mal der Staatsstreich gelingt. Ich hoffe, dass die republikanische Partei erkennt, dass sie sich nach Trump neu erfinden muss. Und dass eine junge Generation republikanischer Politiker, meinetwegen christlich und wertkonservativ, diesen Saustall aufräumt. Ich bin zuversichtlich.

Weniger zuversichtlich hingegen bin ich, ob wir diesseits des Ozeans wirklich verstanden haben, was da in den letzten vier Jahren passiert ist. Ich fürchte, wir haken dies mit der üblichen, antiamerikanischen Überheblichkeit als „Betriebsunfall“ ab, der mit den Spaltungen in unseren Bevölkerungen wenig zu tun hat. Nichts wäre dämlicher.

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Thomas

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