Corona ist nie Vorbei

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Und da waren sie wieder – diese hässlichen Demonstrationen gegen die Corona-Schutzmaßnahmen. Auch wenn mir das alles zutiefst unsympathisch ist, einen Punkt haben die Demonstranten dann doch: Wie lange soll das noch so weitergehen?

Im September hat Christian Drosten in seinem Podcast darauf hingewiesen, dass das Alter der entscheidende Faktor ist für die Sterblichkeit. Für Menschen bis etwa Mitte 40 ist die Infektion demzufolge nicht wesentlich tödlicher als eine normale Grippe. Drastisch tödlicher wird es einerseits, je älter die Menschen werden und natürlich für Menschen in den Risikogruppen. Von der Maskenpflicht bis zum Lockdown – alle diese Maßnahmen dienen vornehmlich dem Schutz eben dieser Menschen. Und das ist auch richtig so.

Ist die Inszidenz auf Dauer der entscheidende Wert?

Was aber, wenn wir es hoffentlich bald geschafft haben, diesen Menschen eine Impfung zu ermöglichen? Ist die Inzidenz dann noch der ausschlaggebende Wert? Das frage ich nicht rhetorisch. Es fehlen einfach noch Erkenntnisse über die Langzeitfolgen, die sogenannten Post- und Long-Covid-Symptome, von „normalen“ Menschen jenseits der Risikogruppen. Wie sind da die prozentualen Verteilungen? Bei wie vielen Menschen kann das chronisch werden? Was passiert da in meinem Körper? Wird medizinisch in diesem Bereich intensiv geforscht?

Ich finde, das sind essenzielle Fragen. Gelingt es uns, die Risikogruppen durch Impfungen zu schützen, dann kann der ganze Bums in der Tat mal gelockert werden. Ich persönlich beispielsweise habe keine Angst davor, an Corona zu sterben, Angst habe ich davor, ein halbes Jahr nach überstandener Infektion noch chronisch erschöpft herumzulaufen. Und zwar eine verschissen massive Angst.

Corona wird bleiben

Denn in einem Punkt müssen wir uns ehrlich machen: Dieser Virus wird nicht wieder verschwinden. Er wird vermutlich bleiben. Mit Glück wird er so unwahrscheinlich werden wie die Masern, wahrscheinlicher aber ist, dass er saisonal immer wieder aufflammt, wie die Grippe. Und das wir saisonal immer wieder impfen müssen, zumindest die Risikogruppen. Eine neue Normalität indess, die für Jahrzehnte eine weltfremde, soziale Distanz festschreibt, ist unrealistisch und übrigens auch nicht minder gesundheitsschädlich. Stichwort: Psychische Folgen. Da müssen auch wir Menschen uns ehrlich machen, die den Lockdown und harte Maßnahmen befürworten.  

Was mir fehlt ist eine Perspektive für die Zeit, wenn die Risikogruppen dank Impfungen geschützt sind. Stattdessen gibt es auf der einen Seite nur ein hohes Maß an Ängstlichkeit, auch bei mir aus den genannten Gründen – und eben diese ganzen Radikalinskis, die sich Davidsterne auf die Funktionsjacke kleben und sich für Anne Frank halten. Dazwischen sehe ich wenig.

Es ist zum Heulen.

PS: All das vorbehaltlich neuerer, medizinischer Erkenntnisse und dem Auftreten neuer, möglicherweise gefährlicherer Mutationen. Es gilt wie immer bei Corona das Primat der Wissenschaft.

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Thomas

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