Lasst die Geimpften in die Clubs!

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Warum eigentlich nicht? Privilegien für Geimpfte sind weder eine Impfpflicht durch die Hintertür – noch besonders ungerecht. Es wird niemanden etwas weggenommen, aber sukzessive wieder mehr und mehr Menschen Normalität erlaubt. Wo ist das Problem?

Medizinisch und epidemiologisch muss natürlich sichergestellt sein, dass Geimpfte das Virus nicht mehr übertragen können. Solange das nicht geklärt ist, ist das alles eine sinnlose Debatte. Außerdem müssen meiner Meinung nach zwei, drei weitere Kriterien geregelt sein, um Fairness zu gewährleisten:

  • Kostenfreie Antikörpertests: Damit Menschen, die bereits auf die “harte Tour” immunisiert wurden, den Geimpften gegenüber nicht schlechter gestellt werden. Vorbehaltlich der noch ungeklärten Frage, ob diese Menschen das Virus trotzdem weitertragen können.
  • Klare, zeitliche und rechtliche Rahmen: Privilegien sollten nur solange gelten, wie es die allgemeine Inzidenz erfordert. Das muss zwingend alle drei Monate, besser monatlich, geprüft werden. Sobald eine Herdenimmunität eintritt, muss der ganze Quatsch aufhören.
  • Drittens muss es Ausnahmeregelungen für Ungeimpfte geben – beispielsweise für dringende berufliche oder familiäre Reisen. Je höher die gesellschaftliche Impfquote ist, desto großzügiger und unbürokratischer müssen diese erfolgen.

Außerdem muss natürlich der Datenschutz gewährleistet bleiben. Es darf kein Zentralregister geben, in denen die Geimpften erfasst sind. Die Daten liegen immer beim einzelnen Bürger – also konkret der Stempel im Impfpass. Hier muss natürlich eine gewisse Fälschungssicherheit gewährleistet sein, was die Sache schon wieder recht kniffelig macht. Aber das sind lösbare Probleme.

Ist das diskriminierend?

Nochmal: Es wird niemanden etwas weggenommen. Einige starten nur früher in die Normalität als andere. Ist das so schlimm? Selbst bei den aktuellen Impfplanungen reden wir effektiv doch über den Zeitraum eines halben Jahres – der zudem noch in den etwas “harmloseren” Sommermonaten liegt.

Ich halte das Argument der Diskriminierung jedenfalls für vorgeschoben. In Wahrheit spielt hier auch die gute, deutsche Neidkultur kräftig mit rein. Sollen doch lieber alle weggesperrt bleiben, ehe mein Nachbar noch vor mir wieder nach Malle fliegen darf!

Man kann sich auch umgekehrt die Frage stellen, mit welchem Recht Menschen im Lockdown bleiben müssen, die nachweislich weder sich noch andere gefährden können?

Die Kulturbranche wird es fordern

Zumal es auch weniger um Flugreisen geht: In erster Linie werden es die Gastronomie und die Veranstaltungsbranche sein, werden es die vielen kleinen Künstler und Soloselbstständigen sein, die Privilegien für Geimpfte einfordern werden. Diese Debatte wird spätestens im Frühjahr aufkommen – darauf verwette ich meine Vorräte an Erkältungsbad!

Warum ein Künstler nicht vor 100 zahlenden, geimpften bzw. Corona-immunen Menschen auftreten darf, wird sich ab einem bestimmten Impfstand nicht mehr vermitteln lassen. Wer die Kunst- und Kulturszene retten will, sollte mal überlegen, wie wir mit dieser Branche in der Übergangszeit zur Herdenimmunität verfahren wollen?

Nein, das ist keine Impfpflicht

Und nein: Das ist keine Impfpflicht durch die Hintertür. Niemand wird gezwungen sein, sich impfen zu lassen. Sobald eine Herdenimmunität erreicht ist und die Inzidenzwerte europaweit unter 35 bleiben – also hoffentlich Ende 2021 – herrscht auch für den letzten schwäbischen Aluhut wieder Normalität.

Was sich allenfalls ändert ist, dass ein Anreiz zur Impfung geschaffen wurde. Und das kann doch nicht unbedingt verkehrt sein?

All das natürlich vorbehaltlich epidemiologischer Erkenntnisse. Wenn die Wissenschaft medizinisch begründet sagt: “Trotz Impfung erstmal zu Hause bleiben”, dann hat das selbstverständlich Vorrang.

Es gilt das Primat der Medizin.

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Thomas

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Von Thomas

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