Lasst doch die Schnelltests kostenfrei

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Drei Mal habe ich bisher das Vergnügen gehabt, einen Corona-Schnelltest zu machen. Zweimal wurde mir das Wattestäbchen bis kurz vor das Stammhirn gedrückt, einmal musste ich in einer Art Drive-In vor einem Fenster warten, während die Innenseite meines linken Nasenlochs kurz sanft gestreichelt wurde. Alle drei Tests wurden von euch bezahlt – also von uns Steuerzahlern. Ich finde das richtig so.

Diese Debatte, ob Corona-Schnelltests demnächst kostenpflichtig werden sollten, ist doch grotesk. Lasst uns doch erstmal abwarten, wie sich die Pandemie weiterentwickelt, bevor wir ohne Not eine funktionierende und vor allem niederschwellige Infrastruktur wieder einstampfen.

Niederschwellig ist das A & O

Als die Testzentren hier in Hamburg eingeführt wurden, da hat der Senat den kompletten Süden, also  vor allem Wilhelmsburg und Harburg, einfach vergessen. Die 1,8-Millionen-Einwohner-Stadt hatte in zwei der einwohnerstärksten Ecken sich schlicht nicht um Schnelltests gekümmert. Wie konnte das passieren? Bis heute gibt es darauf keine wirkliche Antwort und der Markt hat dann schnell geregelt – aber die Vermutung, dass doch die meisten Parlamentarier und ihre Mitarbeiter eher aus Winterhude, Eppendorf und Co. kommen, liegt nahe.  Das ist ein Muster in der Hamburger Politik.

Ich betone das so, weil genau hier der Charme dieser Schnelltests liegt. Die Zentren sprießen in den letzten Monaten wie Pilze aus dem Boden. Klar: Da wird Schotter gemacht wie blöde – und wenn dann nicht einmal fachgerecht getestet wird, wie einmal bei mir, dann ist das ärgerlich. Hier besteht auch Handlungsbedarf – keine Frage. Die Qualität der Schnelltests muss besser werden und selbst als Wilhelmsburger brauche ich nicht gleich drei Testzentren in Reichweite meiner Aerosole. Aber ob ausgerechnet kostenpflichtige Tests hier der richtige Weg sind? Was wird denn dann passieren?

Vor allem werden sich sehr, sehr viele Menschen nicht mehr testen lassen. Das ist bereits jetzt der Fall, aufgrund der Impfungen – aber ab dem Tag, wo selbst für Tests bezahlt werden, muss, werden viele der kleinen Zentren wieder dicht machen. Die niederschwellige Möglichkeit ist futsch – und der Wille, sich überhaupt testen zu lassen, wenn man damit doch eh nur Aufwände, Ärger und Kosten hat, dürfte weiter sinken. Und das mitten in einer Situation im Herbst, in der mutmaßlich wieder die Fallzahlen ansteigen. Das ist dumm und populistisch. Pardon.

Bitte nicht noch mehr Streit

Und warum machen wir das? Doch im Wesentlichen, um den Druck auf die sogenannten Impfskeptiker zu erhöhen. Die Impfpflicht durch die Hintertür, heißt es dann von der anderen Seite – und schon sind wir mittendrin im neusten Grabenkampf unserer Gesellschaft. Diese Verbotsforderungen mit Hinweis auf das Solidaritätsgebot führt doch nur zu Reaktanz, am Ende ist damit niemanden geholfen.

Lasst uns lieber überlegen, wie wir vorerst die niederschwellige, kostenfreie Möglichkeit zu Schnelltests aufrechterhalten, anstatt uns gleich in den nächsten Spaltpilz zu verbeißen.

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Thomas

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