Unionsmüdigkeit

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Ich mag nicht. Nein, ich mag gerade wirklich nicht. Wohin man auch blickt, unsere Politik changiert irgendwo zwischen organisierter Verantwortungslosigkeit, Inkompetenz und kafkaesker Prinzipienreiterei. Deutsche Flexibilität? Das ich nicht lache.

Helmut Kohl – diese Bimbes-Bestie, diese Oggersheimer Naturgewalt der Vetternwirtschaft – sprach einst von einer geistig-moralischen Wende. Ja, die bräuchten wir in der Tat in diesen Tagen! Politiker, die wieder Ideen haben und dafür streiten, anstatt sich von demografischen Momentaufnahmen lenken zu lassen. Vor allem aber muss diese Union in die Opposition, im Bund wie in den Ländern. Diese Partei muss so tief und so hart fallen, dass dort endlich die wenigen Vernünftigen aus den Trümmern aufstehen und eine konservative, demokratische Partei aufbauen, für die die Wörter Anstand und Verantwortung wieder etwas bedeutet. Ich bin nicht konservativ, aber ich schätze ehrliche, aufrechte Konservative durchaus. Davon gibt es aber keine mehr. Stattdessen nur noch korrupte Clowns in teuren Anzügen aus Teflon, die noch immer glauben, ihnen würde die Deutungshoheit gehören.

Wie gesagt: Ich mag einfach nicht mehr. Zuviel Korruption. Zuviel Inkompetenz beim Management der Corona-Pandemie. Zuviel Grässlichkeit und deutsches Klein-Klein. Seit zwei Wochen überfliege ich nur noch die Schlagzeilen und freue mich über das unverschämte Privileg, sicher im Homeoffice arbeiten zu können, einen Balkon zu haben und überdies hinreichend introvertiert genug gestrickt zu sein, dass ich zur Not auch noch ein weiteres Jahr ohne Bars, Restaurants und Malle überstehe. So vielen geht es so viel schlechter. Auch, weil sie einfach nicht oder nicht mehr anders können. Ich verstehe das, wenngleich: Es hilft nicht, den Virus einfach klein zureden, wie die Union ihren Filz. Was da in Kassel an diesem Wochenende geschah, aber ach, dass ist ja auch schon wieder so ein Thema. Ich mag nicht mehr.

Die Zeiten ändern sich. Auf Regen folgt Sonne. Und die Hoffnung, ja, die verfickte Hoffnung, stirbt bekanntlich zuletzt. In dem Sinne – habt einen schönen Sonntag, oder wann immer ihr das hier lest.

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Thomas

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