Empörung frisst Seele auf

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Empörung ist mittlerweile der Dauermodus, mit dem ich online unterwegs bin. Das macht keinen Spaß mehr – und ist auch nicht gut fürs Gemüt. Ich frage mich, ob es an mir liegt oder an der Gesamtsituation, vermutlich ist es eine Mischung aus beidem.

Ich öffne die Nachrichten und die sozialen Medien und wenige Minuten später ist es schon wieder so weit. Kleine Geschmacksprobe vom heutigen Vormittag gefällig?

  • Der Gouverneur von Arkansas hat ein Gesetz unterschrieben, das es medizinischem Personal erlaubt, aus religiösen Gründen die Behandlung von LGBTQ-Patienten abzulehnen. Einfach so.
  • Das Terrorregime in Myanmar ballert in einer Nacht über 100 Demonstranten nieder feiert sich zeitgleich selbst.
  • Unter #FreeLina findet sich eine zumindest sehr fragwürdige Posse unserer Polizei mit dem Potenzial, das Vertrauen in den Rechtsstaat nachhaltig zu zerrütten.
  • Corona-Verharmloser fluten das Netz mit Stuss, während unsere Politik scheinbar vollends kapituliert und sich in verfrühte Osterferien verabschiedet. Kritische Stimmen wie Lauterbach werden derweil mit Todesdrohungen überzogen.
  • AstraZeneca bescheißt die EU und der deutsche Milliardär Walter Droege verdient kräftig mit.
  • Künstler und Selbstständige gehen massenweise pleite, während Konzerne, die vom Bund Milliardenhilfen erhielten, das Geld schön weiterreichen an ihre Aktionäre und Dividenden ausschütten.
  • Die katholische Kirche, die CDU, die Mafia … ach, ich mag nicht mehr.
  • Und in einem Spiegel-Podcast wird eine KI interviewt die selbstbewusst verkündet, dass es zwischen 2040 und 2050 zur Singularität kommt und wir Menschen nicht mehr die vermeintlich kognitiv leistungsfähigste Spezies auf diesem Planeten sind.

Na gut, immerhin letztere Meldung gibt Anlass zur Hoffnung. Aber im Ernst: Ist das die Filterbubble? Oder sind das die Zeiten? Und wenn es mir so geht, wird es gewiss vielen anderen auch so gehen. Nur das diese andere Quellen für Glaubwürdig halten, anderen Meinungen Gewicht schenken. Ich kann die Querdenker beispielsweise verstehen, so aus der Binnenlogik heraus: Für die sind eben der Spiegel und der Lauterbach die Stimmen des Bösen und sie selbst sind empört, weil sie fürchten, alles geht den Bach runter. Das ist natürlich Unfug, die Wissenschaft ist da eindeutig – aber wohin führt das, wenn wir alle nur noch irgendwo zwischen dem Dauermodus der Empörung, medialer Erschöpfung und Eskapismus (Netflix-Tipp: Ginny & Georgia!) changieren?

Vielleicht ist das eine massenpsychologische Folge des Dauer-Lockdown-Lights: Das wir vereinzelt vor unseren digitalen Endgeräten sitzen und zunehmend alles verteufeln, was wir als bedrohliches Grollen am medialen Himmel wahrnehmen. In meinem Falle: Rechtsruck, Corona, der Sittenverfall des Konservatismus und die ganze Ungerechtigkeit im Allgemeinen. In anderen Fällen: Der Lauterbach und ein Stück Tuch vorm Mund. Jeder hat so seine Geister, die ihn plagen.

Jedenfalls: Zur allgemeinen Hebung meiner Laune habe ich entschlossen, die nächsten Wochen erstmal nur noch schöne Dinge zu verbloggen. Krams, den ich nebenher schreibe und Fotos vom Frühling, der hoffentlich bald einsetzt. Darauf meine Ehrenerklärung!  

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Thomas

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