For the Lulz

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Was für eine Woche! Trump ist weg vom Fenster – aber nicht, ohne dass der Irre aus Washington noch kurz den Kongress in Brand gesetzt hat. Fast wortwörtlich.

Wie vermutlich viele habe ich am Mittwoch fleißiges Doomscrolling betrieben. Surreal, wie man auf Twitter in Echtzeit Zeuge dieser Stürmung wurde. Erst die Bilder von Protesten draußen, dann die Fotos, wie Demonstranten ins Gebäude eindrangen – den Rest kennt man ja. Zwei Dinge aber sind bei mir hängen geblieben.

Diese eine, bange Stunde

Zum einen war da dieser eine Moment, als durchaus vertrauenswürdige Accounts das Geraune verbreiteten, dass sich das Verteidigungsministerium weigern würde, die Nationalgarde zu entsenden. Für eine bange Stunde war ich mir unsicher, ob Trump es wirklich tun würde. Ob er wirklich den offenen Putsch versucht und ob das Militär den Wahnsinn mitträgt. In dieser Zeitlinie möchte ich nicht leben.

Dann irgendwann die Entwarnung – gefolgt später vom Hinweis, dass es Pence war, der den Befehl zum Schutz des Parlamentes gab. Ausgerechnet Pence, dieser religiöse Extremist, dieser evangelikale Menschenfeind! Toll, dass all die Claqueure jetzt nach und nach Donald den Rücken kehren. Verdammte Bande haltungsfreier Opportunisten. Aber immerhin: Dieses Mal hat Pence das Richtige getan.

Macht die Irren nicht zu Memes!

Zum anderen sind da die ganzen Bilder skurriler Typen. Mit Fellen behangene Männer, Hörner auf dem Kopf, Hillbilly-Chique – Ihr kennt die Fotos. Und natürlich den ganzen Hohn und Spott, der dazu durch die Medien ventiliert. Das ist Lookismus! Man macht sich nicht über Menschen lustig, die vermeintlich “doof” aussehen. Wer das nicht begreift, hat einfach das komplette Problem mit Trump nicht begriffen.

Ja, die Leute haben die sogenannte Herzkammer der Demokratie in eine anarchische Selfie-Zone verwandelt, lustig ist daran aber nichts. Genau dieser Spott, diese „feinen Unterschiede“ um mit Bourdieu zu sprechen, sind das Problem. Das merken die Menschen durchaus – und auch jene, die zwar nicht „mitdemonstriert“ haben, sich aber sich soziokulturell mit den Demonstranten identifizieren.

Trump wurde nur groß, weil es die ach so feinen, akademisch-gebildeten Milieus waren, die auf die einfachen Menschen herabblicken. Damit will ich jetzt ausdrücklich weder Trump in Schutz nehmen, noch das Wahlverhalten strammer Trumpisten entschuldigen. Ich finde es nur komplett daneben, ausgerechnet hier den Fokus zu legen. Selbst wenn die in Nadelstreifen das Kapitol gestürmt hätten: Mir ist das wurscht, die Leute gehören vor ein Gericht. Basta.

Ich finde es auch denkbar unklug, nun die Bilder feixend zu verbreiten. Der Typ mit den Hörnern ist doch nicht so dämlich, dass er seine Kostümierung für ein angemessenes Outfit hält. Der Typ hat ganz genau verstanden, dass er mit etwas Glück viral geht. Das er ein Meme wird! Und wer die Nazibubble kennt weiß, dass diese Cyberfaschisten Memes lieben. Man darf nicht die Bilder groß machen, mit denen die Faschos morgen „ironisch-augenzwinkernd“ ihr Mimikry betreiben.

Nie Wieder

Sie meinen es ja nicht ernst, bis sie ernst machen. Und wenn Sie ernst machen, sterben Menschen.

Es sei denn natürlich, man möchte einen neuen Trump. For the Lulz.


Passend dazu die perfekte Gelegenheit, die Band meiner Jugend zu promoten! 😉

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Über den Autor

Thomas

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